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    Zwetschke und Pflaume: zwei blaue Schwestern mit kraftvollen Werten

Zwetschke und Pflaume: zwei blaue Schwestern mit kraftvollen Werten

Wenn sich der Herbst dem Ende zuneigt, feiern Zwetschken und Pflaumen noch einmal ihr süßes Comeback – ob frisch, verarbeitet zu Kompott oder Saft, aber auch getrocknet im Müsli oder als Adventklassiker. Die violett-blauen Früchte sind nicht nur geschmacklich ein Genuss, sondern auch kleine Gesundheitswunder.

Verwandt, aber nicht ident

Die echte Zwetschke (Prunus domestica subsp. domestica) ist genau genommen eine Unterart der Pflaumen (Prunus domestica), zu der auch die Ringlotte und die Mirabelle zählen. Sie alle gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Trotz ihrer engen Verwandtschaft – und obwohl üblicherweise in Deutschland mit dem Begriff „Pflaume“ auch Zwetschken gemeint sind – unterscheiden sich die zwei Früchte deutlich in Form, Geschmack und Verwendung: Die Zwetschke ist länglich-oval, tiefblau bis violett gefärbt und hat meist eine feine, matte Haut. Der weiße Überzug auf der Schale schützt die Früchte vor dem Austrocknen. Ihr Fruchtfleisch ist fest, aromatisch süß-säuerlich und löst sich leicht vom Stein – ideal also für Kuchen wie den klassischen Zwetschkenfleck oder zum Einkochen als Röster oder Marmelade. Die Pflaume dagegen ist rundlicher, oft glänzender und saftiger, ihr Fruchtfleisch ist weicher und meist schwerer vom deutlich kleineren Stein zu lösen. Sie schmeckt etwas milder und süßer und eignet sich hervorragend für Kompott, Fruchtsalat oder Saft. Die Pflaume hat – im Gegensatz zur Zwetschke – eine seitliche Furche, die Fruchtnaht.

Ursprünglich stammen beide Varianten aus dem Kaukasusgebiet bzw. aus Vorderasien. Über Persien und den Mittelmeerraum gelangten sie schon in der Antike nach Europa. Heute sind sie feste Bestandteile der mitteleuropäischen Obstkultur und bis in den Spätherbst als frische Früchte sowie besonders in der Adventzeit als beliebte Trockenfrüchte erhältlich.

 

Kleine Früchte mit großer Wirkung

Zwetschken und Pflaumen sind in ihrem Nährstoffgehalt relativ ähnlich. Sie sind kalorienarm und zugleich nährstoffreich: 100 Gramm liefern nur rund 45 Kilokalorien, enthalten aber wertvolle Ballaststoffe, Kalium, Eisen, Zink, Vitamin C und Provitamin A. Ihr Ballaststoffgehalt liegt bei etwa 2 Gramm pro 100 Gramm. Schon bekannte griechische Ärzte beschrieben im ersten Jahrhundert nach Christus die verdauungsfördernde Wirkung der Pflaumen. Heute wissen wir, dass dies mit dem hohen Anteil von Ballaststoffen zusammenhängt, denn die Quellfähigkeit dieser Ballaststoffe regt die Bewegung des Darms an und unterstützt so die Verdauung auf sanfte und natürliche Art und Weise. Besonders bemerkenswert ist ihr Gehalt an Anthocyanen – das sind die blauen Pflanzenfarbstoffe, die den Früchten ihre intensive Farbe verleihen.

 

Die Anthocyane – ein blauer Schutzschild

Die in Zwetschken und Pflaumen enthaltenen Anthocyane zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen mit hoher antioxidativer Wirkung. Sie schützen unsere Zellen vor oxidativem Stress, der durch Umweltbelastungen, Rauchen, Entzündungen oder intensive körperliche Belastung entstehen kann. Studien konnten zeigen, dass bei einer anthocyanreichen Ernährung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringer ist. Anthocyane bzw. ihre Abbauprodukte wirken entzündungshemmend, positiv auf den Fett- sowie Zuckerstoffwechsel und unterstützen die Funktionen von Gefäßen, Herz und Gehirn. Je dunkler die Früchte, desto mehr Anthocyane enthält sie. Zwetschken enthalten etwas mehr dieser bioaktiven Stoffe als Pflaumen, was sich auch in der dunkleren, violetteren Schale zeigt.

 

Frisch, getrocknet oder als Saft – ein ganzjähriger Genuss!

Zwetschken und Pflaumen sind vielseitig und saisonal perfekt einsetzbar. Während frische Früchte nur bis in den November hinein erhältlich sind, bleiben sie als Trockenfrüchte oder Saft das ganze Jahr über gesunde Begleiter. Auch als Mus, Kompott oder Chutney verarbeitet sind die Früchte mit ihrem süß-säuerlichen Aroma über die Saison hinaus ein Genuss. In der kalten Jahreszeit passen getrocknete Pflaumen – im Handel meist als Dörrpflaumen erhältlich – hervorragend zu Kuchen, Keksen und Müslis, aber auch als fruchtiges Extra zu herzhaften Speisen wie Gansl und Wild oder auf Käseplatten. Sie sind ganz besondere Nährstoffwunder, denn durch den Wasserentzug beim Trocknen konzentriert sich ihr Gehalt an Mineralstoffen und Ballaststoffen. Achtung: Gleichzeitig steigt auch der natürliche Fruchtzuckergehalt! Für eine zuckerbewusste Ernährung soll daher auf die Portionsgröße geachtet werden. Besonders wertvoll ist auch der natürlich enthaltene Zuckeralkohol Sorbit, der zusätzlich zu den Ballaststoffen die Darmtätigkeit sanft anregt. Dazu ein Praxistipp: Die getrockneten Pflaumen über Nacht in Wasser oder Früchtetee einweichen – das ergibt bis zum nächsten Morgen ein verdauungsförderndes, ganz natürliches „Rezept“. Auch Pflaumen- oder Zwetschkensaft ist im Herbst und Winter eine nährstoffreiche Alternative. Besonders naturtrüber Direktsaft liefert die sekundären Pflanzenstoffe in konzentrierter Form. 

Abschließend noch ein Genuss- und Gesundheits-Tipp für kalte Tage: leicht erwärmt und mit einer Prise Zimt oder Punschgewürz getrunken, wirkt der blau-violette Fruchtsaft wohltuend und verdauungsfördernd zugleich!