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    Intuitiv Essen – wie funktioniert das?

Intuitiv Essen – wie funktioniert das?

Gerade in der Fastenzeit möchten viele Menschen ihre Ernährung bewusster und gesünder gestalten. Doch was wäre, wenn ein gesundes Essverhalten nicht auf Regeln, Verboten und ständiger Selbstkontrolle basieren müsste? Die intuitive Ernährung setzt genau hier an: Statt strikten Diäten zu folgen, lernen Menschen, wieder auf die Signale ihres Körpers zu hören.

Weg vom Außen – hin zum Innen

Viele populäre Ernährungskonzepte wie Intervallfasten, Low-Carb-Diäten, vollständiger Zuckerverzicht oder das Weglassen von Weizenprodukten entstehen häufig aus dem Wunsch heraus, einige Kilogramm Körpergewicht zu verlieren. Da solche Ansätze meist mit strengen Einschränkungen verbunden sind, werden sie nur begrenzt durchgehalten und übermäßiges Essen oder Heißhungerattacken können folgen. Nach Beendigung einer starken Kalorienreduktion setzt sehr wahrscheinlich auch der bekannte Jojo-Effekt ein. Dass diese wiederkehrenden Gewichtsschwankungen für den Stoffwechsel ungünstig sind, wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen – und viele Betroffene erleben dies auch in ihrem Alltag.

Einen vielversprechenden, nachhaltigen Ansatz verfolgt hingegen das Prinzip der „Intuitiven Ernährung“. Anstatt einzelne Lebensmittel zu „verteufeln“, werden sie bewusst in den Speiseplan integriert. Strenge Regeln treten in den Hintergrund, während der Fokus stärker auf die Wahrnehmung der eigenen Körpersignale gelegt wird. Ziel dabei ist es, nicht äußere Faktoren über Essen oder Nicht-Essen entscheiden zu lassen – wie zum Beispiel bestimmte Uhrzeiten, weil Speisen bei Feierlichkeiten angeboten werden oder erlernte Glaubenssätze es vorgeben. Paradoxerweise steigt so bei vielen Menschen stärker die Motivation, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun, als wenn ein striktes Regime eingehalten werden muss.

Die 10 „intuitiven“ Grundprinzipien

1. Verlernen der Diätmentalität: Negative Gedanken in Bezug auf Lebensmittel loslassen, Diätrezeptbücher aussortieren, Social-Media-Kanälen entfolgen, die stark auf Diäten fokussiert sind.
2. Hunger ehren: Wie fühlt sich Hunger an?
3. Frieden mit dem Essen schließen: Es ist okay, gelegentlich mehr zu essen, als geplant war.
4. „Nein“ zur Lebensmittelpolizei: Es gibt keine guten und schlechten Lebensmittel.
5. Freude am Essen entdecken: Wahrnehmen, wie vielfältig und genussvoll unterschiedliche Lebensmittel sein können.
6. Sättigung spüren: Wie fühlt es sich an, satt zu sein?
7. Emotionsbewältigung: Beobachten, ob bei Überforderung, Stress oder Traurigkeit vermehrt zu Essen gegriffen wird. Wahrnehmen, ob Essen in diesen Momenten Zuflucht bietet und kennenlernen, welche andere Strategien es gibt, mit seinen Gefühlen umzugehen.
8. Den eigenen Körper respektieren: Jeder Körper verdient Wertschätzung und Fürsorge.
9. Aktiv sein, um sich gut zu fühlen: Sich auf eine Weise bewegen, die Freude bereitet und dem eigenen Körper guttut, anstatt Bewegung nur als Mittel zum Kalorienverbrauch zu betrachten.
10. Sanfte Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, aber Perfektion ist nicht notwendig, um gesund zu sein.

Wie beginne ich intuitiv zu essen?

Am besten lässt sich intuitive Ernährung bei Kindern beobachten. Sie kommen mit der natürlichen Fähigkeit zur Welt, Hunger- und Sättigungssignale wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren. Im Laufe des Lebens wird diese Intuition jedoch häufig durch äußere Einflüsse überlagert. Wer den Weg zurückfinden möchte, beginnt am besten, die eigenen Körpersignale wieder bewusster wahrzunehmen. Schritt für Schritt kann der Fokus auf die nächsten Prinzipien ausgeweitet werden.

Nehme ich da nicht sofort zu?

Viele Menschen befürchten, dass sie durch intuitives Essen an Gewicht zunehmen. Tatsächlich kann es sein, dass sich das Körpergewicht leicht erhöht – ebenso ist es jedoch möglich, dass es sinkt. Anders als bei herkömmlichen Diäten ist das Ziel nicht eine bestimmte Zahl auf der Waage, sondern ein stabiles und individuell passendes Körpergewicht zu erreichen. Mehrere Studien zeigen, dass intuitive Ernährung mit einer höheren Nährstoffaufnahme, weniger Anzeichen von Essstörungen und geringerer Gewichtszunahme als bei „Crashdiäten“ einhergeht. Darüber hinaus bestätigen Untersuchungen, dass Menschen, die langfristig Kompetenzen im Umgang mit ihren Körpersignalen entwickeln, häufig auch einen niedrigeren BMI aufweisen.

Fazit

Wer lernt zu beobachten und darauf zu hören, was dem eigenen Körper guttut, begibt sich auf einen vielversprechenden und langfristig gesünderen Weg. Oder wie eine der Gründerinnen der Intuitiven Ernährung sagt: „Es gibt nicht den einen richtigen Weg, intuitiv zu essen. Probiere eine Sache nach der anderen aus, um zu sehen, wie es für dich funktioniert.“